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Skate-Plaza Köln
Ein Stadtplatz zum Skaten
Artikel aus FreeLounge 3/2011
KAP 686 – Der lange Weg zu einem neuen Platz
Im Rheinauhafen in Köln wurde im Sommer eine Skate-Plaza eröffnet, die zugleich Sportanlage und Stadtplatz ist – ein Projekt mit einer ungewöhnlichen Geschichte.
25 Jahre hatten die Skater den Roncalliplatz vor der Südfassade des Kölner Doms fest in ihrem Besitz. In dieser Zeit hatte sich eine eigene Kultur herausgebildet, und für viele war der Platz zu einem Identifikationsraum geworden. Doch in den letzten Jahren wurde die Szene immer mehr als Problem angesehen. Etablierte Interessenverbände übten Druck aus, einige waren der Meinung, man solle das Skaten einfach verbieten. Die Stadt war zwar guten Willens, den Konflikt in Zusammenarbeit mit den Skatern zu lösen, doch ihr fehlten die Ansprechpartner auf Seiten der Skater. So gab sie schließlich nach und erschwerte das Skaten in der Domumgebung.
Die Skater waren nun unter Zugzwang, wenn sie ihre Sportart nicht aufgeben wollten. In Köln gab es keine gleichwertige Ausweichmöglichkeit. Sie machten also etwas für ihre Szene völlig untypisches: Sie gründeten einen Verein, der innerhalb kurzer Zeit über 500 Mitglieder hatte.
Damit hatte die Stadt nun einen Ansprechpartner, um in dem Konflikt zu vermitteln, mit dem man auch über Alternativen sprechen konnte, und der die Belange der Skater klar beschrieb, über die vorher nur spekuliert werden konnte. So bestand die Möglichkeit, konkret für die Skater zu planen und nicht eine Standardanlage zu bauen, die an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei gegangen wäre.
Ein Projekt, das zunächst polarisiert hat
Zusammen mit diesen ungleichen Partnern ging metrobox Architekten daran, ein ungewöhnliches Projekt zu starten. Die Skater und die Architekten versuchten auszuloten, was wirklich benötigt wurde. Das Ergebnis war die Abkehr vom gewohnten Bild eines Skateplatzes mit vielen Rundungen und Rampen. Die Skater wollten einen städtischen Raum, der Hindernisse und Herausforderungen bietet wie der Stadtraum, nur, dass diese besser zueinander gruppiert und haltbarer sein sollten. Die Elemente des Stadtraums wie Treppen, Kanten, Geländer und Grünflächen sollten neu interpretiert und platziert werden. Ein solcher Platz war noch nie gebaut worden. Vorbilder gab es nicht, alles musste neu zu entwickelt werden. Von Beginn an war die Zusammenarbeit mit vielen städtischen Gremien und Fachbehörden notwendig. Es musste zudem viel Überzeugungsarbeit geleistet werden für dieses ungewöhnliche Projekt, von dem die Skeptiker sich zunächst nicht vorstellen konnten, dass es Erfolg haben würde.
Doch die Herausforderung bestand nicht nur darin, auf beide Partner einzugehen. Genauso wichtig war es, die Bevölkerung, die großes Interesse an diesem polarisierenden Projekt hatte, immer wieder zu erreichen. So wurde in der Vorphase sogar ein Pavillon auf der Domplatte errichtet, um zu informieren und Fragen zu beantworten. Hier kamen Passanten und Skater, die beide immer denselben Platz nutzen, das erste Mal miteinander ins Gespräch. Schließlich fanden die Stadt und die Skater ein Grundstück, das den Ansprüchen beider genügte. Es liegt direkt am Rhein in der Verlängerung des prestigeträchtigsten Baugebietes der Stadt und gut erschlossen, jedoch unbebaubar, da es im Flutgebiet des Rheines liegt. Hier konnte der neue Platz entstehen.
Der Fluss als gestalterisches Konzept
Das gestalterische Grundkonzept entstand aus der Überlagerung der Bilder, die mit dem Platz, seiner Nutzung und seinem Ort zusammenhängen. Menschen durchströmen die gebaute Stadtlandschaft, jeder wie der Wassertropfen eines Flusses. Die Skater haben dieses Durchströmen zu ihrem Spiel gemacht. Ruhige langgezogene Strecken mit großen Radien wechseln mit dem Springen an Hindernissen, wie das Fließen und Spritzen von Wasser in einem Fluss. Die Lage des Platzes am Rhein setzt dieses Bild in den geeigneten landschaftlichen Kontext. Die Umsetzung dieses Konzeptes in die Realität wird dadurch erreicht, dass die Fläche von einem virtuellen Raster überlagert wird, an dessen Kreuzungspunkten gleichförmige Grundflächen entstehen. Raster und Grundflächen stellen urbane Elemente dar und sind dem städtischen Raum entnommen. Um von dieser starren Gruppierung auf dem Raster aber zu einer, für diese Sportart optimalen, spontanen Anordnung zu gelangen, wurde die Fläche über einen besonderen Algorithmus neu organisiert. Hierbei werden die Grundflächen zu Körpern unterschiedlicher Größe, sie erheben sich aus der Landschaft oder versinken in ihr, um die Fläche mit Grünelementen, Wiese und Bäumen zu durchdringen. Die Grundkörper sind Skate-Objekte aus Beton und stehen, wie vom Wasser umspülte Steine, in einem Fluss aus Steinplatten.
Die Bodenfläche tritt über ein Muster in Dialog mit den Skate-Objekten.
Besondere Anforderungen durch Beanspruchung und Hochwassergefahr
Durch seine spezielle Nutzung und seine Lage im Flutgebiet muss der Platz vielen teils widersprüchlichen Herausforderungen gewachsen sein. Die kleinen harten Rollen der Skateboards verlangen nach einer möglichst ebenen, glatten Oberfläche, die bei Stürzen nicht zu Abschürfungen führt, die bei Regen aber auch die Rutschfestigkeit eines öffentlichen Platzes gewährleistet. Die Neigung der Fläche muss ein restloses Abfließen von Rheinflut oder Regen gewährleisten, darf zum Skaten aber nicht zu steil sein. Die Sprünge der Skater, aber auch harte Winter und Überflutungen dürfen den Qualitäten des Platzes dauerhaft nichts anhaben, was durch die Konstruktion und Materialauswahl gewährleistet wird. Schließlich galt es noch das Budget und die Termine einzuhalten, was beides gelang.
Ein Platz für Skater und Zuschauer
Bereits bei der Eröffnung zeichnete sich ab, dass die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Beteiligten ein großer Erfolg werden sollte. Die Skater nahmen den Platz von der ersten Minute an in Besitz, und seitdem wird er täglich intensiv genutzt. Doch nicht nur für die Skater hat sich die Anlage ausgezahlt. Auch die Rheinpromenade ist seitdem voller Passanten, die den Skatern bei ihren Kunststücken zusehen. Der zuvor leblose Bereich des Neubauviertels „Rheinauhafen“ wurde plötzlich lebendig. Durch den Platz wurde ein aufwendig geplantes und gebautes Viertel, das jedoch noch nicht zur Stadt geworden war, aktiviert und urbanisiert. Es wurde ein hybrider Raum geschaffen, der zugleich Sportanlage und städtischer Platz ist.
Gastautor: Hendrik Bruns
www.metrobox.org


